chucks in the sand

Hey, Süße.
Weißt du, wie verdammt schwer es sein kann, verliebt zu sein? Während ich das hier grad schreibe, ist es kurz vor 3 in der Nacht. Eine tolle Uhrzeit, um wach zu sein? Eher nicht. Aber ich liebe es. Es ist so still, so friedlich. Alle Geräusche, Gerüche, Eindrücke des Tages sind verschwunden und es ist eine so klare Luft, noch unbeschmutzt durch all den Dreck, den wir Menschen jeden Tag veranstalten.

Ich weiß nicht, ob du es weißt. Also, wie schwer es sein kann, verliebt zu sein. Ich weiß, du wünscht es dir, und deshalb wünsche ich es dir auch, aber trotzdem will ich dir auch diese fucking vielen Probleme ersparen, die damit verbunden sind. Alleine das Gefühl, dass jemand einen Angelhaken in deiner Brust versenkt hat und daran langsam und genüsslich dein Herz heraus zieht, während du vor Schmerzen fast verreckst. Aber was rede ich hier von Schmerzen.
Bin wahrscheinlich einfach zu melancholisch drauf wegen diesem Film. Ich hätte wissen müssen, dass es ein Fehler war, dass ich losheulen würde wann immer es auch nur ansatzweise traurig wird.
Inzwischen ist es viertel nach 3. Ich werde jetzt gleich den Film zu Ende gucken. Dann werde ich wach liegen und denken. Viel zu viel denken...
Vielleicht spürst du ja sogar im Schlafe, wenn ich dann an dich denke. Und wünschte, ich wüsste, was ich wünschen könnte, um dir zu helfen...
Schlaf gut und träum was schönes. Ich gönns dir

6.4.14 03:17


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Phoenixherz

Ich weiß, du kennst diesen Text schon, aber ich schreibe ihn nochmal, denn der Text malt Blumen, malt Worte, an denen ich mich einfach nicht satt sehen kann...

 

 

Ich stelle ein Wasserglas aufs Fensterbrett und springe hinein. Ruhe, wie an einem blauen Tag und die leichte Kühle einer Sommernacht umschmeicheln mich in Schwaden. Blaue Tage, wie wir sie hatten, du und ich. Schwimmst du nun alleine im Blau?

Ich stelle ein Wasserglas aufs Fensterbrett und tauche hinein.
Mir ist als würde ich in deinen Armen baden. Endlich wieder, nach so langer Zeit.
Es regnet Schnee in dieser Stadt, die gut ist zum Aufbrachen, aber schlecht zum Ankommen.
Ich sitze mit diesem Jungen in Räumen, er würde dir gefallen, sicher, er hat so eine seltsame Art zu blicken, mit seinen durchdringenden Augen. Er ist auch so ein Extrem wie ich.
Und wenn wir im Dunkeln reden, so scheint es als könne ich unsere Worte sehen, die wie leuchtende Lichtblasen durch den Raum schweben.
Tagsüber sind es farbige Schnörkel, die durch den Raum ranken und manchmal sind sie so bunt und wild, dass man das Fenster öffnen muss um Atmen zu können.

Ich stelle ein Wasserglas aufs Fensterbrett und steige hinein.
Spüre wie mir Kiemen wachsen, aus den Blumenrankenworten, ähnlich wie bei älteren Kaulquappen, die wir in Gläsern fingen als Kinder, nur um von unsern schimpfenden Müttern zu hören, dass wir sie wieder zurückbringen sollten.
Ich schreie, ich lache, ich weine. Doch es gibt keine Laute unter Wasser, nur verschwommene Töne, Luftblasen aus meinem Mund.
Manchmal laufe ich durch den Alltag und bin undankbar. Denke, dass mich keiner hören will.
Denn bei jedem, dem ich von dir erzähle, habe ich das Gefühl mich aufzudrängen. Mich und dich. Als gäbe es nur meine Trauer auf der Welt und sonst kein Leid. Ich fühle mich dann albern und schweige.

Ich stelle ein Wasserglas aufs Fensterbrett und gleite hinein.
So wie ich mich in deine Arme legte, bis zu dem Tag als ich ging.
Als ich vergaß etwas Wichtiges mitzunehmen, das liegen blieb: Mein Herz.
Wie dumm von mir. Ja wie dumm. Ich höre es die Spatzen von den Dächern pfeifen.
Ich dachte doch, dass ich es eingepackt hätte, aber ich muss es wohl übersehen haben.
Wundert es nun, dass ich für die anderen kein Herz zum geben hatte?
Obwohl dich doch so sehr wollte?

Ich stelle ein Wasserglas aufs Fensterbrett und bade in dir. Und in meinem Herzen.
Denn ist es nicht auch Wasser, wenn du Wasser bist?
Selten bin ich dir näher.
Selten bin ich mir näher.
Als in diesen Momenten.
Die Welt verzerrt durch die gewölbte Wand des Wasserglases.
Sie scheint nur so erträglich.
Wenn ich das Rasmus erzähle, dann lächelt er. Sagt, wir sollten ans Meer fahren.
Wenn ich frage wieso, dann streicht er sich die Haare aus der Stirn.
Wir sollten am Meer stehen und nach meinem Herzen Ausschau halten. Es muss da doch jetzt irgendwo schwimmen, meint er. Du würdest es doch nicht für immer behalten wollen. Du würdest doch wollen, dass ich glücklich bin. Rasmus will einen Kescher kaufen, damit wir das Herzen herausfischen können, wenn es angeschwommen kommt.
Das Herz ist Asche, sage ich. So wie du. Wie du.
Dein Herz ist sicherlich ein Phoenix, sagt er, Phönixe werden immer wieder aus der Asche geboren. Und wenn nicht? Frage ich.
Wenn mein Herz kein Phönix ist, dann will er einen Kaffeefilter nehmen und die Asche darin auffangen. Retten was noch zu retten ist.
Ich frage ob mein Herz das denn wert sei.
Ach Mädchen…

Ich stelle ein Wasserglas aufs Fensterbrett und trinke gierig.
Um dir nah zu sein.
Und manchmal, wenn im Dunkeln Regen fällt, dann ziehe ich die Mütze vom Kopf und rede mit dir. Ich spüre dich gerne in meinen Haaren spielen.
Und ich leiste tropfenweise Trauerarbeit. Manchmal schleppe ich ganze Eimer nach draußen.
Es ist schwer. Ich muss es tun, egal wie weh es manchmal tut und trotzdem darf ich nicht zulassen, dass es mir einer zu einfach macht. Einfach den Stöpsel zieht und du zerrinnst, ohne dass ich jedem einzelnen Tropfen nach gewunken habe.
Die Gedanken wachsen uns wie Bäume aus den Köpfen.
Ich habe eine Entdeckung gemacht.
Ich finde es schön so. All die Menschen, ich darf die Augen aufschlagen und lächeln, ich darf kurz Hände flüchtig berühren und so tun als wäre nichts. Ich muss das nicht definieren, das was da zwischen Rasmus und mir ist. Ich kann es wachsen lassen, einfach zusehen in welche Richtung die Zweige schlagen.
So leicht wie noch nie. Ich genieße das.
„Was bin ich für dich?“ fragte ich neulich ins Dunkel der Nacht. Mit Angst in der Stimme, davor, dass er es mehr sein könnte als ich ertragen kann.
„Meine Landstreicherin“, lachte er. Und seine Hände zerzausten meine Haare. Mehr nicht und doch so viel. Rasmus und die Landstreicherin?
Alles ist im Fluss, nichts steht still. Nur manchmal habe ich Angst, dass ich abdrifte, oder untergehe. Aber meine Entdeckung, du hast Recht, das war sie noch nicht.
Er kann es. Neulich füllte er einen Zahnputzbecher mit Trauerwasser und goss es draußen in meinen Blumekasten. Auf dass die Trauer sich in Erinnerungen wandelt, die eins Tages blühen.
Ich stand da und starrte auf den Becher, weil ich nicht wusste, dass er das kann. Die Trauer wegschöpfen. Einfach so. Auch mit seinen hohlen Händen.
Und als ich mich später für mein ewiges Weines schämte, da sagte er, dass ich doch ein Phönixherz hätte und ob ich nicht wüsste, dass Phönixtränen alle Wunden heilen.
Ich wusste nicht welche Wunden sie heilen sollten. Deine natürlich, sagte er.
Aber seine Augen waren zum ersten Mal nicht so offen wie sonst.
Wie wenig ich doch weiß.
Hat er auch Wunden?

Manchmal stelle ich ein Wasserglas aufs Fensterbrett und leere es aus.
Um mich in dir zu wälzen.
Und um, wenn ich tropfend nass bin, mit einem weiteren Glas meinen Erinnerungsgarten zu gießen.
Trauer ist fruchtbar.
Wusstest du das? 

6.4.14 03:10


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